
Fischöl gegen entzündete Gelenke klingt für viele erst einmal zu einfach. Ein paar Kapseln schlucken, und die Gelenke laufen wieder wie frisch geölt? Ganz so bequem funktioniert der Körper nicht. Trotzdem gehören Omega 3 Fettsäuren zu den wenigen Nahrungsergänzungen, bei denen sich ein genauer Blick lohnt, gerade bei entzündlichen Gelenkerkrankungen.
Bei Arthritis geht es nicht nur um ein bisschen Steifigkeit am Morgen. Bei der rheumatoiden Arthritis arbeitet das Immunsystem gegen körpereigenes Gewebe. Bei aktivierter Arthrose kommen entzündliche Prozesse im Gelenk hinzu. Und bei vielen Betroffenen findet man im Hintergrund ein ungünstiges Fettsäuremuster: zu viel Arachidonsäure, zu viele entzündungsfördernde Reize, zu wenig EPA und DHA.
Genau an dieser Stelle wird Omega 3 interessant.
Arthritis ist nicht gleich Arthrose
Zuerst sollten wir aber einige Unterscheidungen vornehmen. Arthritis bedeutet Gelenkentzündung. Dazu gehört vor allem die rheumatoide Arthritis, eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung. Die Arthrose dagegen ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der Knorpel, Gelenkmechanik, Stoffwechsel und Entzündung miteinander verwoben sind.
In der Praxis ist diese Trennung oft weniger sauber, als es im Lehrbuch klingt. Viele Arthrosepatienten haben entzündliche Schübe. Viele Rheumapatienten haben zusätzlich degenerative Gelenkveränderungen. Für Omega 3 bedeutet das: Die stärkere Studienlage gibt es bei rheumatoider Arthritis. Bei Arthrose ist die Datenlage ebenfalls interessant, aber insgesamt weniger eindeutig.
Damit wäre eigentlich fast alles bereits gesagt… Schauen wir jetzt aber auf die Studienlage. Und die sieht sehr gut aus.
Eine Meta Analyse zu Osteoarthritis aus dem Jahr 2023 kam zu dem Ergebnis, dass Omega-3-Fettsäuren Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern können. Die Autoren werteten neun randomisierte Studien mit insgesamt 2.070 Patienten aus. Trotzdem bleiben Dosierung, Studiendauer und Patientenauswahl sehr unterschiedlich.
Studie:
Volltext:
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Warum Omega 3 bei Gelenkentzündungen wirken kann
Entzündungen entstehen nicht aus dem Nichts. Der Körper bildet entzündungsfördernde Botenstoffe unter anderem aus Arachidonsäure. Diese Omega-6-Fettsäure steckt besonders in tierischen Lebensmitteln, vor allem in Fleisch und Wurst. Aus Arachidonsäure entstehen unter anderem Prostaglandine und Leukotriene, die Entzündungen verstärken können.
EPA und DHA, die beiden wichtigsten marinen Omega-3-Fettsäuren, greifen in diesen Stoffwechsel ein. Sie konkurrieren mit Arachidonsäure um Enzyme und fördern die Bildung entzündungsauflösender Signalstoffe wie Resolvine und Protektine. Diese sogenannten Specialized Pro Resolving Mediators sind keine einfachen Entzündungsblocker. Sie helfen dem Körper, eine Entzündung geordnet zu beenden. Das ist biologisch sehr viel eleganter als das bloße Draufhauen auf Entzündungsenzyme.
Studien und Übersichtsarbeiten:
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25149823/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23434193/
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3257651/
Auch im Gelenk selbst spielen solche Mechanismen eine Rolle. In experimentellen Arbeiten konnte Resolvin D1 arthritische Entzündungen abschwächen, die Einwanderung von Entzündungszellen begrenzen und knorpelschützende Effekte zeigen. Das ist keine direkte Therapieempfehlung für Resolvinpräparate, aber es erklärt, warum EPA und DHA bei chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen plausibel sind.
Studie:
Wichtig ist dabei: Omega 3 wirkt nicht wie eine Schmerztablette. Wer nach drei Tagen nichts spürt und die Kapseln wieder in den Schrank stellt, hat den Mechanismus nicht verstanden. Es geht um eine Veränderung des Entzündungsmilieus. Und das braucht Zeit.
Leinöl ist wertvoll, aber nicht dasselbe wie Fischöl oder Algenöl
Viele Leser glauben, sie seien mit Leinöl ausreichend versorgt. Leinöl liefert Alpha Linolensäure, kurz ALA. Diese Fettsäure ist wertvoll, aber sie ist nicht identisch mit EPA und DHA.
Der Körper kann ALA zwar in EPA und DHA umwandeln, allerdings nur begrenzt. Vor allem die Umwandlung zu DHA ist beim Menschen oft schwach. Für die allgemeine Ernährung ist Leinöl sinnvoll. Therapeutisch, bei entzündlicher Gelenkaktivität, sollte man aber genauer auf EPA und DHA schauen.
Studien und Übersichtsarbeiten:
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19269799/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9637947/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21366864/
EPA und DHA finden sich vor allem in fettem Seefisch wie Hering, Makrele, Sardinen und Lachs, außerdem in Fischöl und Algenöl. Algenöl ist besonders interessant für Menschen, die keinen Fisch essen oder Fischöl nicht vertragen.
Arachidonsäure: der oft vergessene Gegenspieler
Wer Omega 3 bei Arthritis sinnvoll einsetzen will, sollte nicht nur fragen: „Was soll ich zusätzlich einnehmen?“ Mindestens genauso wichtig ist die Frage: „Was treibt die Entzündung ständig weiter an?“
Arachidonsäure kommt vor allem in tierischen Lebensmitteln vor. Besonders relevant sind Schweinefleisch, Wurstwaren, Innereien und fettreiche Fleischprodukte. Aus Arachidonsäure entstehen entzündungsfördernde Botenstoffe. Das heißt nicht, dass jeder Bissen Fleisch automatisch Rheuma macht. Solche Vereinfachungen bringen niemanden weiter. Aber bei entzündlichen Erkrankungen lohnt es sich sehr wohl, das Fettsäuremuster der Ernährung zu korrigieren.
Eine Studie zur arachidonsäurearmen Ernährung bei rheumatoider Arthritis zeigte, dass eine solche Kost klinische Entzündungszeichen verbessern kann. Besonders interessant: Der Nutzen wurde durch Fischöl zusätzlich verstärkt. Das passt sehr gut zur naturheilkundlichen Praxis. Man ergänzt nicht nur EPA und DHA, sondern senkt gleichzeitig die Gegenspieler.
Studie:
Was zeigen die Studien bei rheumatoider Arthritis?
Eine der klassischen Arbeiten stammt von Kremer und Kollegen. In dieser doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten 66 Patienten mit rheumatoider Arthritis entweder hochdosiertes Fischöl oder Maisöl. Die Patienten nahmen zusätzlich Diclofenac ein. Später wurde Diclofenac durch ein Placebo ersetzt, während die Fischölgabe fortgeführt wurde.
Die Omega 3 Gruppe zeigte unter anderem weniger druckschmerzhafte Gelenke, kürzere Morgensteifigkeit, bessere Einschätzungen der Krankheitsaktivität und niedrigere IL 1 beta Werte. Besonders bemerkenswert: Einige Patienten konnten nichtsteroidale Antirheumatika absetzen, ohne dass es zu einem Krankheitsschub kam.
Studie:
Auch ältere kontrollierte Studien zeigten klinische Verbesserungen unter Fischöl, zum Beispiel bei Morgensteifigkeit, Gelenkschwellung und Leukotrienbildung. Gerade Leukotrien B4 ist interessant, weil es zu den entzündungsfördernden Botenstoffen gehört, die bei rheumatischen Entzündungen eine Rolle spielen.
Studien:
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2138449/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3030173/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2363736/
Eine weitere Arbeit fand nach zwölf Wochen Omega 3 Supplementierung eine Senkung von Interleukin 1 beta. Das ist deshalb interessant, weil IL 1 beta zu den Botenstoffen gehört, die Entzündungen und Gewebeabbau im Gelenk fördern können.
Studie:
Proudman Studie: Omega 3 zusätzlich zur modernen Rheumatherapie
Besonders wichtig ist die Proudman Studie bei früher rheumatoider Arthritis. Hier wurde hochdosiertes Fischöl mit einer niedrigen Kontrolldosis verglichen, zusätzlich zu einer modernen medikamentösen Basistherapie. Die Hochdosisgruppe erhielt 5,5 Gramm EPA plus DHA pro Tag, die Kontrollgruppe 0,4 Gramm.
Das Ergebnis: In der Hochdosisgruppe kam es seltener zum Versagen der dreifachen DMARD Therapie. Außerdem wurde häufiger eine ACR Remission erreicht. Diese Studie ist deshalb so wichtig, weil sie Omega 3 nicht als romantische Alternative zur Rheumatherapie untersuchte, sondern als Ergänzung innerhalb eines modernen Treat to Target Konzeptes.
Studie:
Eine Folgeauswertung zeigte zudem, dass höhere Spiegel von EPA und DHA im Plasma mit besseren klinischen Ergebnissen verbunden waren. Das spricht für etwas, was ich in der Praxis ohnehin für sinnvoll halte: Nicht nur Kapseln zählen, sondern nach Möglichkeit auch den Fettsäurestatus kontrollieren.
Studie:
Meta Analysen: Was ergibt die Gesamtschau?
Einzelstudien sind wichtig, aber die Gesamtschau ist oft noch interessanter. Eine Meta Analyse von 2012 kam zu dem Ergebnis, dass Omega 3 Fettsäuren bei rheumatoider Arthritis den Verbrauch nichtsteroidaler Antirheumatika senken können. Auffällig war dabei: Die Dosierung lag bei mehr als 2,7 Gramm EPA plus DHA täglich, und die Einnahme dauerte länger als drei Monate.
Meta Analyse:
Eine weitere Meta Analyse von 2018 wertete 20 randomisierte kontrollierte Studien aus. Sie fand günstige Effekte auf Krankheitsaktivität, druckschmerzhafte Gelenke, Schmerzwerte, Morgensteifigkeit, Leukotrien B4, Triglyceride und einige weitere Parameter. Das ist kein Heilversprechen, aber es ist mehr als ein ernährungsmedizinischer Nebensatz.
Meta Analyse:
Eine aktuelle Meta Analyse von 2024 untersuchte 18 Studien mit insgesamt 1.018 Patienten mit rheumatoider Arthritis. Omega 3 verbesserte die Fettsäureverteilung, erhöhte EPA und DHA, senkte das Omega 6 zu Omega 3 Verhältnis, verbesserte Triglyceride und reduzierte die Zahl druckschmerzhafter Gelenke. CRP, BSG und DAS28 verbesserten sich nur leicht und nicht signifikant. Genau diese Differenzierung ist wichtig. Omega 3 kann helfen, aber es ist kein Zauberstab.
Meta Analyse:
DOI:
Eine weitere Meta Analyse kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Omega 3 bei rheumatoider Arthritis potenziell günstig sein kann, bewertete die Evidenz aber nüchterner. Auch das gehört in einen seriösen Artikel. Wer nur jubelt, klingt wie ein Kapselverkäufer. Wer sauber differenziert, bleibt glaubwürdig.
Meta Analyse:
DOI:
Fisch essen: einfache Maßnahme mit interessanter Datenlage
Nicht jeder möchte sofort Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Fetter Seefisch ist eine klassische Quelle für EPA und DHA. Eine Beobachtungsstudie bei Patienten mit rheumatoider Arthritis fand, dass höherer Fischverzehr mit geringerer Krankheitsaktivität verbunden war.
Das ist keine Beweiskette im Sinne von „mehr Fisch gleich weniger Rheuma“. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, keine sicheren Ursachen. Trotzdem passt der Befund gut zur übrigen Datenlage.
Studie:
Volltext:
Aus meiner Sicht ist Fisch als Lebensmittel vor allem dann sinnvoll, wenn Qualität, Herkunft und Verträglichkeit stimmen. Sardinen, Hering und Makrele sind oft interessanter als große Raubfische, weil diese stärker mit Schadstoffen belastet sein können.
Algenöl: sinnvolle Alternative zu Fischöl
Algenöl wird oft nur als vegane Alternative erwähnt. Bei Arthritis ist es aber auch fachlich interessant, weil Algenöl direkt DHA liefern kann. In einer randomisierten Studie wurde DHA aus Mikroalgen bei rheumatoider Arthritis untersucht. Die Autoren fanden eine Verbesserung der Krankheitsaktivität und eine Verschiebung lipidbasierter Entzündungsmediatoren in Richtung antientzündlicher und entzündungsauflösender Signale.
Studie:
Das bedeutet: Wer keinen Fisch essen möchte oder Fischöl nicht verträgt, muss nicht automatisch auf therapeutisch relevante Omega 3 Fettsäuren verzichten. Entscheidend bleibt allerdings die tatsächliche Menge an EPA und DHA. Der Begriff „Omega 3“ auf dem Etikett reicht nicht. Man muss lesen, was wirklich drin ist.
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Wie viel Omega 3 ist bei Arthritis sinnvoll?
Hier beginnt der praktische Teil, und genau da werden viele Artikel schwammig.
Für die allgemeine Herz und Stoffwechselgesundheit reichen oft kleinere Mengen. Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wurden in Studien aber meist deutlich höhere Dosierungen verwendet. Die Proudman Studie arbeitete mit 5,5 Gramm EPA plus DHA täglich. Andere Arbeiten und Meta Analysen zeigen besonders bei Dosierungen über 2,7 Gramm EPA plus DHA pro Tag und einer Einnahmedauer von mindestens drei Monaten interessante Effekte.
Studie zur Hochdosis bei früher rheumatoider Arthritis:
Meta Analyse zur Dosierung und NSAR Reduktion:
Das ist keine Dosierung, die man nebenbei mit zwei Fischmahlzeiten pro Woche erreicht. Und es ist auch nicht dasselbe wie „1000 mg Fischöl“. Viele Kapseln enthalten zwar 1000 mg Fischöl, aber nur einen Bruchteil davon als EPA und DHA. Genau diese Etikettentrickserei führt dazu, dass Menschen glauben, sie würden therapeutisch dosieren, während sie in Wirklichkeit ernährungsphysiologische Kleinstmengen einnehmen.
Aus der Praxis heraus würde ich unterscheiden:
Für die Grundversorgung: regelmäßig fetter Seefisch oder ein gutes Algenöl, dazu weniger Wurst, weniger Schweinefleisch, weniger Fertigprodukte und weniger omega 6 reiche Pflanzenöle.
Für einen therapeutischen Versuch bei entzündlichen Gelenkbeschwerden: gezielt EPA und DHA dosieren, mindestens über zwölf Wochen, besser über drei bis vier Monate.
Für die Verlaufskontrolle: nach Möglichkeit eine Fettsäureanalyse beziehungsweise einen Omega 3 Index bestimmen. Das ist sinnvoller als blindes Kapselzählen.
Gerade bei chronisch entzündlichen Erkrankungen sehe ich immer wieder, dass zwei Menschen dieselbe Menge einnehmen und völlig unterschiedliche Blutwerte erreichen. Der eine nimmt gut auf, der andere kaum. Der eine isst weiterhin viel Arachidonsäure, der andere korrigiert sein gesamtes Fettsäuremuster. Das Ergebnis kann entsprechend unterschiedlich ausfallen.
Wichtiger als die Kapsel: das gesamte Fettsäuremilieu
Omega 3 einzunehmen und gleichzeitig täglich Wurst, billige Pflanzenöle, Fertigprodukte und Zucker zu essen, ist ungefähr so sinnvoll wie ein Luftreiniger im Raucherzimmer. Technisch interessant, praktisch begrenzt.
Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen gehört deshalb immer die Gegenseite dazu: weniger Arachidonsäure, weniger stark verarbeitete Lebensmittel, weniger Zucker, weniger Bauchfett. Bauchfett ist kein passiver Energiespeicher, sondern ein hormonell und immunologisch aktives Gewebe. Es produziert entzündungsfördernde Botenstoffe und kann Gelenkentzündungen zusätzlich anfeuern.
Eine entzündungsarme Ernährung setzt daher nicht nur auf Fischölkapseln, sondern auf ein anderes Grundmuster: viel Gemüse, Kräuter, Beeren, Hülsenfrüchte, gute Eiweißquellen, Olivenöl, Nüsse, fermentierte Lebensmittel und ausreichend Ballaststoffe. Dazu weniger Wurst, weniger Schweinefleisch, weniger Süßigkeiten, weniger Weißmehl und weniger industrielle Pflanzenöle.
Auch eine systematische Übersicht zu antientzündlichen Diäten bei rheumatoider Arthritis kam zu dem Ergebnis, dass solche Ernährungsformen Schmerzen reduzieren können. Ernährung ist bei Rheuma also kein kosmetisches Nebenthema, sondern ein echter Hebel.
Übersichtsarbeit:
Arthrose: vorsichtiger bewerten als rheumatoide Arthritis
Bei Arthrose wird Omega 3 ebenfalls häufig empfohlen. Hier sollte man genauer sein. Die Arthrose ist keine reine Entzündungserkrankung wie die rheumatoide Arthritis. Mechanik, Knorpelstoffwechsel, Fehlbelastung, Übergewicht, Muskelkraft, Mitochondrienfunktion und stille Entzündung spielen zusammen.
Die Meta Analyse von 2023 zu Osteoarthritis fand zwar weniger Schmerzen und bessere Gelenkfunktion unter Omega 3. Gleichzeitig sind die Studien sehr unterschiedlich, und die Datenlage ist nicht so stark wie bei rheumatoider Arthritis.
Studie:
Volltext:
Für Arthrose würde ich Omega 3 deshalb nicht als Haupttherapie darstellen, sondern als Baustein im Gesamtkonzept. Viel wichtiger bleiben Bewegung, Muskelaufbau, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, entzündungsarme Ernährung, ausreichende Eiweißversorgung, Vitamin D Status, Magnesium, Kollagenstoffwechsel und eine saubere Gelenkmechanik.
Welche Präparate kommen infrage?
Bei Fischöl sollte man auf Reinigung, Oxidationsschutz und nachvollziehbare EPA und DHA Angaben achten. Ein ranziges Öl hat in einem entzündeten Organismus nichts verloren. Gute Produkte riechen nicht streng fischig, sind ordentlich deklariert und geben EPA und DHA pro Tagesdosis an.
Algenöl ist eine gute Alternative, vor allem für Menschen, die vegan leben oder Fischöl nicht mögen. Wichtig ist auch hier: Es zählt nicht der schöne Begriff „Omega 3“, sondern die tatsächliche Menge an EPA und DHA.
Krillöl enthält ebenfalls EPA und DHA, meist aber in geringeren Mengen pro Kapsel. Wer therapeutisch dosieren will, muss genau rechnen.
Leinöl, Chiasamen, Hanföl und Walnüsse bleiben wertvolle Lebensmittel. Sie ersetzen aber bei entzündlicher Arthritis nicht automatisch EPA und DHA.
Sicherheit: gut verträglich, aber nicht beliebig
Omega 3 wird in der Regel gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind Aufstoßen, weicher Stuhl, Übelkeit oder Magenbeschwerden. Bei sehr hohen Dosierungen sollte man genauer hinschauen, besonders wenn Blutverdünner eingenommen werden oder Operationen geplant sind.
Das häufig genannte Blutungsrisiko wird in der Literatur differenziert bewertet. Eine aktuelle Meta Analyse fand insgesamt kein erhöhtes klinisch relevantes Blutungsrisiko durch Omega-3-Fettsäuren. Bei sehr hohen EPA Dosierungen kann dennoch eine individuelle Abwägung sinnvoll sein.
Meta Analyse:
DOI:
Das bedeutet nicht, dass Omega 3 gefährlich ist. Es bedeutet nur, dass „natürlich“ kein Freifahrtschein für beliebige Mengen ist. Auch Wasser ist natürlich. Versuchen Sie trotzdem nicht, zehn Liter davon am Tag zu trinken.
Praktischer Einnahmeplan für einen Therapieversuch
Wer Omega 3 bei entzündlichen Gelenkbeschwerden testen möchte, sollte es nicht halbherzig machen. Zwei Wochen lang eine beliebige Kapsel aus dem Drogeriemarkt einzunehmen und dann enttäuscht abzubrechen, ist kein sinnvoller Versuch.
Aus meiner Sicht wäre ein vernünftiger Rahmen:
Erstens: EPA und DHA auf dem Etikett prüfen. Nicht die Gesamtmenge Fischöl zählt, sondern die Summe aus EPA und DHA.
Zweitens: Einnahme zu einer fetthaltigen Mahlzeit. Das verbessert die Aufnahme.
Drittens: Mindestdauer zwölf Wochen. Besser sind drei bis vier Monate.
Viertens: Parallel die Ernährung korrigieren. Weniger Arachidonsäure, weniger Industriekost, weniger Zucker.
Fünftens: Bei höheren Dosierungen, Blutverdünnern, Herzrhythmusstörungen oder geplanter Operation individuell prüfen.
Sechstens: Wenn möglich, Omega 3 Index oder Fettsäureprofil bestimmen.
Dieser Punkt ist mir wichtig: Man behandelt keine Laborwerte, aber Laborwerte können zeigen, ob eine Maßnahme überhaupt im Körper ankommt.
Mein Fazit
Omega-3-Fettsäuren gehören bei entzündlichen Gelenkbeschwerden zu den sinnvolleren Vitalstoffen. Die beste Datenlage gibt es bei rheumatoider Arthritis. Dort zeigen Studien weniger schmerzhafte Gelenke, weniger Morgensteifigkeit, günstigere Entzündungsmediatoren und teilweise einen geringeren Bedarf an entzündungshemmenden Medikamenten.
Bei Arthrose ist die Datenlage vorsichtiger zu bewerten, aber auch dort gibt es Hinweise auf weniger Schmerzen und bessere Funktion. Entscheidend ist die richtige Einordnung. Omega 3 ist kein Wundermittel und keine Alternative zu einer notwendigen Rheumatherapie. Es ist ein Baustein im entzündungshemmenden Gesamtkonzept.
Und dieser Baustein funktioniert am besten, wenn gleichzeitig die Ernährung korrigiert wird: weniger Arachidonsäure, weniger Zucker, weniger Industriefette, mehr echte Lebensmittel, mehr Ballaststoffe, mehr EPA und DHA.
Wer es ernst meint, sollte nicht nur Kapseln kaufen, sondern sein Fettsäuremuster prüfen, die Ernährung umstellen und dem Körper mindestens drei Monate Zeit geben. Genau dann wird aus einer hübschen Nahrungsergänzung ein therapeutisch vernünftiger Versuch.
Häufige Fragen zu Omega 3 bei Arthritis
Kann Leinöl Fischöl ersetzen?
Für die allgemeine Ernährung ist Leinöl wertvoll. Bei entzündlicher Arthritis reicht es oft nicht, weil Leinöl vor allem ALA liefert. Für die antientzündlichen Effekte in Studien stehen vor allem EPA und DHA im Vordergrund.
Studien zur begrenzten Umwandlung von ALA in EPA und DHA:
Wie lange dauert es, bis Omega 3 bei Arthritis wirkt?
Rechnen Sie eher mit zwölf bis sechzehn Wochen. Omega 3 verändert das Entzündungsmilieu. Es wirkt nicht wie eine Schmerztablette.
Übersichtsarbeit zu Omega 3 bei rheumatoider Arthritis:
Welche Dosierung ist sinnvoll?
Entscheidend ist die Menge an EPA und DHA, nicht die Gesamtmenge Fischöl. In Studien wurden bei rheumatoider Arthritis häufig höhere Dosierungen eingesetzt, teils über 2,7 Gramm EPA plus DHA pro Tag. Bei früher rheumatoider Arthritis wurden in der Proudman Studie 5,5 Gramm EPA plus DHA pro Tag verwendet.
Studien:
Ist Algenöl genauso geeignet?
Algenöl kann geeignet sein, wenn es ausreichend DHA und idealerweise auch EPA liefert. Eine Studie mit DHA aus Mikroalgen zeigte bei rheumatoider Arthritis günstige Effekte auf Krankheitsaktivität und Entzündungsmediatoren.
Studie:
Kann Omega 3 Rheumamedikamente ersetzen?
Nein. Omega 3 kann die Therapie ergänzen, das Entzündungsmilieu verbessern und Beschwerden reduzieren. Wer Medikamente reduzieren möchte, sollte das anhand von Symptomen, Laborwerten und Krankheitsaktivität sauber begleiten.
Studie zur ergänzenden Gabe von Fischöl im Rahmen moderner Rheumatherapie:
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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…
