Die angeblich „dunklen Seiten“ des Vitamin C

Es geht wieder einmal um die Vitamine und deren angeblich „desaströse“ Wirkungen. Und wieder einmal soll es das Vitamin C sein, welches angeblich vollkommen hinterhältig viel verspreche und wenig halte.

Vitamin C in Orangen

So gibt es zum Beispiel einen Beitrag älteren Datums von der „Welt“[1], der vor der „dunklen Seite des Vitamin C“ warnt und der unter anderem auch auf facebook fleissig geteilt wurde – Motto: „Ich hab´s ja schon immer gewusst!“. Denn: Vitamin C bei einer Krebserkrankung einzusetzen, das sei ja ein Ding der Unmöglichkeit, nicht zuletzt, weil der Patient möglicherweise geheilt wird und damit nicht mehr als Patient zur Verfügung steht! Was also muss man dem Ottonormalverbraucher erklären, auf dass er aufhört, Vitamin C als eine positive Geschichte anzusehen? Der Artikel aus der „Welt“ versucht hier, einige Ansichtsweisen zurecht zu rücken. Und da gilt es, die zurechtgerückten Ansichtsweisen zurecht zu rücken.

Der Röhren-Fernseher-Erfinder

Wer Röhren-Fernseher erfindet, der kann was erzählen. So erzählte der „große deutsche Physiker“ Manfred von Ardenne, dass große Mengen an Vitamin C zur Therapie von Krebserkrankungen geeignet seien. Jedoch bei einer näheren Untersuchung der Hypothesen von Professor von Ardenne konnte ich nirgends feststellen, dass er jemals diese Thesen vertreten hatte. Vielmehr hatte der zwei verschiedene Therapien vorgeschlagen: die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie und die Krebs-Mehrschritt-Therapie, bei der Tumore und deren Metastasen durch eine Überwärmung (Hyperthermie) in Kombination mit Chemotherapie behandelt werden. Es gibt keinen Hinweis auf den Einsatz von Vitamin C.

Das ist eigentlich schade. Denn es gibt ebenso keinen Hinweis, dass der hochdosierte Einsatz von Vitamin C eine Art „Lausbubenstreich“ in der Behandlung von Krebserkrankungen darstellen könnte. Der Lausbubenstreich ist der „Welt“-Artikel, der freudig vorgibt, dass Wissenschaftler der Harvard-Universität jetzt gezeigt haben wollen, dass dieser (nicht gemachte) Vorschlag von „katastrophaler“ Natur sein solle. Denn die wollen festgestellt haben, das Antioxidantien, wie das Vitamin C, Krebs fördern, statt zu verhindern.

Ja, da schlägt es doch 13. Habe ich‘s doch gewusst! Aber warum ist das so?

Die undokumentierte Begründung, ebenso wie die undokumentierte Harvard-Studie, lautet, dass Vitamin C genauso wirkt wie ein berühmt-berüchtigtes Krebsgen. Also wenn ich viel Vitamin C zu mir nehme, dann muss ich am anderen Tag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Krebs haben. Ich weiß jetzt nicht, ob die Harvard-Professoren das auch haben dokumentieren können?

Nach so vielen Unterstellungen schauen wir uns doch einmal das ominöse Krebsgen an. Dieses „Onkogen“ nennt sich erB2. Neben einem Onkogen kann es noch eine „krankhaft abgewandelte Form“ einnehmen (kommt dieser Schwachsinn aus Harvard?), die dann auch noch „bei fast allen Krebserkrankungen“ eine Rolle spielt. Wie sieht diese Rolle aus?

Das Gen produziert krankhaft deformierte Zellen, „die sich aus der Masse herauslösen“ (man bewundere die wissenschaftlich exakte Aussage in Bezug auf die Masse, was immer auch für eine Masse das sein könnte), und dann im Körper auf Reise gehen. Und genau das macht Vitamin C auch. Damit scheint Vitamin C also ein Reisebüro für reisefreudige Tumorzellen zu sein, die in Harvard um eine Reiseerlaubnis nachgefragt haben. Und zum Dank für diese Reiseerlaubnis wachsen und vermehren sich diese Reisezellen und „überschwemmen schließlich den gesamten Organismus“.

Eine fürwahr bemerkenswerte Erklärung für die Entstehung von Krebserkrankungen, deren einzige Grundlage ein Krebsgen ist, das einen Verbündeten im Vitamin C findet.

Das Krebsgen des Röhren-Fernsehers

Das eben erwähnte Onkogen hört auch noch auf einen weiteren Namen: HER2/neu (human epidermal growth factor receptor 2). Dieses Gen spielt in der Tat eine gewisse Rolle bei der Behandlung und Diagnose von – Krebserkrankungen? Die „Welt“ behauptet jedenfalls, dass das Gen für praktisch alle Krebserkrankungen von Bedeutung sei. Die Wahrheit ist, dass dieses Gen fast ausschließlich im Bereich Brustkrebserkrankungen von Bedeutung ist, und das auch nur (aber immerhin) zwischen 15 und 30 Prozent aller invasiven Mammakarzinome. Hier wirkt das Gen hyperaktiv.

Diese Konstellation steht aber in einem diametralen Gegensatz zur Aussage der „Welt“, die alle Krebserkrankungen von diesem Onkogen abhängig machen will.

Und wenn Vitamin C wie dieses Onkogen funktioniert, dann ist klar, dass alle Krebserkrankungen entweder vom Onkogen oder vom Vitamin C oder gleich beidem ausgehen müssen.

Folgerichtig stellt sich die Autorin des Beitrags die Frage, ob Antioxidantien allgemein und Vitamin C im speziellen Krebs fördern? Und hier ist der Schreiber auch gleich fündig geworden. Nicht nur das Vitamin C, auch das Vitamin E und Betacarotin sind verkappte Onkogene. Was machen sie? Sie halten gefährliche Einzelgänger am Leben, so die Autorin, die dann in „zerstörerische Krebszellen“ umgewandelt werden. Wir erfahren hier also, zu unserem 100-prozentigen Erstaunen und Entsetzen, dass Krebszellen zerstörerisch sind. Wo doch alle Welt immer geglaubt hatte, dass Krebszellen nur harmlose Einzelgänger sind. Aber Harvard hat’s möglich gemacht.

Wer diese Soziologie der Entstehung von Krebserkrankungen erfunden hat, wird von der Autorin erwähnt, aber nicht belegt. Irgend eine Genetikerin hat in Zellkulturen etwas gefunden und dann im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht. Eine Quelle wird nicht angegeben. Lediglich erwähnt die Autorin, dass die Genetikerin die Verallgemeinerung ihrer Ergebnisse als noch unklar ansieht.

Diese Unklarheit ist jedoch kein Grund, die Aussage, dass Vitamine quasi Onkogene sind, ebenfalls als unklar anzuzweifeln. Im Gegenteil. Denn jetzt werden die schweren Waffen aufgefahren.

Große Studien beweisen Röhren-Onkogen

Nachdem die Autorin festgestellt zu haben scheint, dass ihre Argumentation und Logik gegen die Vitamine nicht von dieser „Welt“ zu sein scheinen, müssen andere Kaliber her. Denn die lieben Kollegen haben ja nicht umsonst große Studien veranstaltet, die das beweisen, was man bewiesen haben wollte. Und die kommen jetzt unheimlich gut einher.

Aber statt Studien zu zitieren, belässt es die Autorin lediglich bei der Aussage, dass es große Studien aus vergangenen Jahren gibt, die dies alles belegen. Also wieder einmal ist der Glaube an die Aussagen der „Welt“ gefragt und keine kritische Auseinandersetzung mit der Materie, die nach entsprechenden Belegen und Dokumentationen rufen würde.

Lediglich eine Studie wird zwar nicht dokumentiert, dafür aber umso freudiger besprochen. Ich hatte diese Arbeit auch im Zusammenhang mit einem meiner Beiträge erwähnt: Carotinoide | Anwendung – Wirkung und Nutzen. Die Gründe für diese Beobachtungen sind meines Erachtens nie wirklich diskutiert und hinterfragt worden. Das Einzige, was den Wissenschaftlern hierzu eingefallen ist, scheint zu sein, dass Raucher unter Vitamin E (alpha-Tocopherol) ebenfalls eine erhöhte Bereitschaft für die Entwicklung zu Lungenkrebs gezeigt hatten. Die Erklärung für dieses Phänomen war allerdings relativ einleuchtend: alpha-Tocopherol ist zum einen nur eine von mehreren Formen des Vitamin E, die in der Natur keine übergeordnete Rolle spielt, ganz im Gegensatz zu den anderen Formen. Eine Supplementierung mit einem synthetisch billig zu produzierenden „Vitamin E“ entspricht in keinster Weise der Zufuhr von natürlichem Vitamin E.  Dazu kommt noch, dass Vitamin E (vor allem alpha-Tocopherol) in sauerstoffreichem Gewebe, wie der Lunge, schnell seine Fähigkeit als Antioxidans verliert und zum Oxidans wird. An diesem Punkt trägt es zur Bildung von freien Radikalen bei und damit zur Schädigung des Gewebes. Eine solche Entwicklung ist besonders dann stark ausgeprägt, wenn es an Vitamin C fehlt. Denn Vitamin C regeneriert Vitamin E als Antioxidans. Um dieser Aufgabe nachgehen zu können, bedarf es an Tagesmengen, die deutlich über denen liegen, die uns Schulmedizin und Ernährungswissenschaft zumuten wollen.

Um den eigenen Standpunkt noch einmal zu unterstreichen, berichtet die Autorin der „Welt“ von einer schottischen Studie, die gezeigt haben will, dass Vitamin C in Kombination mit Fett „verheerende Wirkung entfaltet“. Eine Quelle vermissen wir ebenso wie zuvor auch. Aber damit hätten wir jetzt Vitamine und Fette in einem Boot. Denn auch Fette sind des Teufels und im Zusammenhang mit Vitaminen einfach nur „verheerend“. Man sieht, die Wissenschaftsabteilung der „Welt“ nimmt gerade an Fahrt auf. Es braucht nicht mehr lange und man erfindet dort den Röhren-Fernseher, nebst Vitamin-Onkogen aufs Neue.

Zum Schluss dann noch die Frage nach den Vitaminpräparaten. Aber auch hier kennt sich die „Welt“ gut aus. Denn auch hier gibt es wieder neue Studien, deren Quellen nett verschwiegen werden, aber gezeigt haben, dass Vitamine schaden. Die Studien wollen sogar gezeigt haben, dass die Vitamine C und E die gesunden Effekte von körperlicher Aktivität zunichte machen.

Was folgt also daraus, zumindest für die, die in Harvard studiert haben? Antwort aus Harvard: Nahrungsmittel vermeiden, die mit tödlichen Vitaminen durchseucht sind!

Da die Schreiberin des „Welt“-Artikels diesen ausgemachten Unfug selber so in dieser Form nicht vertreten mag (da sie bei einer entsprechenden Formulierung vielleicht mit einer Einweisung in die geschlossene Anstalt rechnen müsste), umgeht sie dieses Fiasko in gewohnt auf den Glauben setzende Weise: man darf Obst TROTZDEM weiterhin essen. Denn es sei trotz, und nicht wegen seiner Antioxidantien gesund. Warum also ist Obst gesund, wenn die Antioxidantien so schädlich sind, wenn die Vitamine darin so verheerend sind? Was macht Obst so gesund TROTZ dieser verheerenden Giftstoffe?

An dieser Stelle endet der Beitrag zum Bekenntnis zum Glauben an die Schulmedizin und ihren faulen Zweig, die Ernährungswissenschaft.

Die böse Welt der Vitamine

Es ist ja nichts Neues, dass alles, was natürlichen Ursprung hat oder damit zu tun haben könnte, von Schulmedizin und seinen Schergen in ein entsprechend trübes Licht gestellt wird. Dazu muss man natürlich entsprechende argumentative Tricks einführen, die die hirnverbrannten Botschaften an den Mann beziehungsweise an die Frau zu bringen haben.

Wie blöd man sich dabei anstellen kann, das zeigt sogar die „Welt“. Die war sich nicht blöd genug, ein paar Jahre später einen Beitrag zu veröffentlichen, der auf einmal das komplette Gegenteil heraus posaunte, nämlich Ascorbinsäure: Vitamin C kann bei Leukämie helfen. Hier war auch von einem Gen die Rede, dass bei der Ausbildung von Leukämie eine Rolle zu spielen scheint: TET2 (wo bleibt denn das allmächtige HER2, das bei allen Krebsen so wichtig sein soll?).  Dieses Gen lässt in seiner Aktivität nach, was die Reifung von Stammzellen herabsetzt und die sich als solche unkontrolliert teilen und zur Leukämie führen. Ausgerechnet Vitamin C kann ein lahmgelegtes TET2 wieder reaktivieren und somit einen wichtigen Beitrag zur Therapie der Leukämie leisten. Quellen zu dieser wissenschaftlichen Arbeit fehlen natürlich auch hier. Aber das ist an dieser Stelle zwar interessant, aber nicht so wichtig. Denn ich zitiere diesen Beitrag nur, um zu zeigen, dass man bei der „Welt“ selber nicht zu wissen scheint, in welche Richtung man sein Fähnchen wehen lassen sollte.

Inzwischen gibt es außerhalb dieser „Welt“ eine Welt, in der weniger geglaubt, sondern mehr geforscht wird. Und hier gibt es einen Pool an wissenschaftlichen Arbeiten, die gezeigt haben, dass Vitamin C und andere Vitamine bei der Verhinderung und Therapie von Erkrankungen, auch Krebserkrankungen, mehr als nur wichtig sind.

Es gibt sogar Arbeiten, die gezeigt haben, dass Vitamin C hochdosiert Krebszellen eliminieren kann. Die Dosierung liegt dabei so hoch, dass sie nur über eine intravenöse Gabe sichergestellt werden kann[2].

Ich hatte auch in einem eigenen Beitrag[3] die Fähigkeit des Vitamin C zur Bekämpfung von Krebserkrankungen gewürdigt. Es gibt hier Überlegungen, dass hochdosiertes Vitamin C Wasserstoffperoxid in Tumorzellen erzeugt, welches selbige zum Absterben bringt. Andere Arbeiten zeigen, dass Vitamin C das genaue Gegenteil macht. Es wirkt als Antioxidans, und fängt als solches freie Radikale ab, die die Tumorzellen, beziehungsweise ein Protein namens HIF-1 in der Tumorzellen benötigen, um die zelleigene Biochemie aufrechtzuerhalten.

Eine Sammlung von Studien zu dieser Frage, insbesondere im Hinblick auf Vitamin C, gibt es hier: Humans Are Free: Search results for cancer vitamin c.

Von mir noch ein paar Beiträge zur Frage, welche Bedeutung Antioxidantien in der Onkologie haben:

Fazit

Das vorliegende Beispiel, der mediale Zerriss von Vitamin C als gefährliche Substanz, die es zu vermeiden gilt, die man aber als Obst trotzdem zu sich nehmen darf, zeigt, wie die Medien diese Themen aufgreifen und verarbeiten. Es soll auf jeden Fall am Ende der Beiträge ein Schuldspruch gefällt werden, der zur ewigen Verdammnis von Vitaminen, natürlichen Heilsubstanzen, alternativen Heilmethoden etc. führt. Dazu laviert man sich im Verlauf der Erklärungen und der dazu notwendigen maroden Logik durch das Thema, betreibt Wissenschaft ohne Quellenangaben, was nicht Wissenschaft sondern Glauben pur ist, und hofft zum guten Schluss, dass der geneigte Leser blöd genug ist, diesen ganzen Rotz auch noch zu glauben.


[1]     Krebsmedizin: Die dunkle Seite des Vitamin C – WELT

[2]     Using Vitamin C Correctly in High Doses Kills Cancer Cells | Humans Are Free

[3]     Vitamin C | Vorkommen – Wirkung – Bedarf

Datum: Mittwoch, 9. Januar 2019 17:29
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