„VITAL-Studie“ gegen Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D

Es gibt da eine „Mega-Studie“, die sich VITAL nennt und die sich mit dem Vitamin D und Omega-3 beschäftigt. Was aber ist an dieser Studie so besonders?

Besonders ist hier das Studiendesign[1]. Und besonders unüberraschend ist das von der Schulmedizin umfangreich bejubelte Ergebnis. Aber eins nach dem anderen.

Das Studiendesign sieht vor, zwei voneinander unabhängige Substanzen, Vitamin D und Omega-3-Fettsäure, mit Placebo zu vergleichen. Hierzu wurden vier Gruppen gebildet.

Gruppe A erhielt Vitamin D, 2000 Einheiten pro Tag plus Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischöl per Kapsel mit 840 mg Omega-3-Fettsäure (465 mg EPA und 375 mg DHA).

  • Gruppe B erhielt Vitamin D plus Placebo für Omega-3.
  • Gruppe C erhielt Omega-3 plus Vitamin D Placebo.
  • Gruppe D erhielt Placebokapseln für beide Substanzen.

Insgesamt nahmen fast 26.000 Probanden an der Studie teil, die im Juli 2010 begann und deren vorläufige Ergebnisse jetzt veröffentlicht worden sind. Dies erfolgte in zwei voneinander getrennten Veröffentlichungen[2][3], was sehr wahrscheinlich aus Gründen der Übersichtlichkeit erfolgte.

Ziel der Studie war es als primäres Ziel herauszufinden, ob die Gabe von Vitamin D und/oder Omega-3-Fettsäure krebsverhindernd wirkt und ob deren Gabe schwere kardiovaskuläre Komplikationen günstig beeinflusst. Hierunter verstanden die Autoren Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulär bedingte Mortalität.

Resultate

Sehr zur Freude der Schulmedizin stellten die Autoren für Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren fest, dass keiner der beiden in der Lage war, kardiovaskuläre Komplikationen und das Auftreten von Krebserkrankungen im Vergleich zu Placebo günstig zu beeinflussen. Immerhin stellten die Autoren auch fest, dass in Fragen von Sicherheit und Verträglichkeit beider Substanzen keine negativen Beobachtungen[4] zu machen waren.

Dies halte ich an dieser Stelle schon einmal für einen positiven Aspekt. Denn die Schulmedizin geht in der Regel davon aus, dass vor allem Vitamin D bei „hohen Dosierungen“ mit unberechenbaren Nebenwirkungen behaftet sein soll. Obwohl die eingesetzte Dosierung von 2.000 Einheiten pro Tag nicht in den Bereich „Hochdosierung“ anzusiedeln ist, liegt sie deutlich über den normalerweise empfohlenen 400-800 Einheiten pro Tag, die die Schulmedizin empfiehlt.

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„Ich hab’s ja gewusst!“

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie beeilte sich dann auch, auf ihrer Webseite[5] diese Studie entsprechend zu würdigen. Der Beitrag von einem gewissen Professor Schatz, ehemaliger Direktor der medizinischen Universitätsklinik Bochum und jetzt niedergelassener Arzt, druckt in fetten Buchstaben das Ergebnis ab:

Wie die unten stehenden Abbildungen zeigen, wurde in der VITAL Study mit Vitamin D oder Omega 3 – Fettsäuren gegenüber  Plazebo kein Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen oder Krebs erzielt.

Danach erfolgt eine Beschreibung der Studie und des Designs. Im Kommentar lässt der Autor gleich im ersten Satz den Leser wissen, dass er das in der Studie erzielte Ergebnis schon längst für sich als Realität angesehen hatte. Man ist ja nicht umsonst „Professor“. Interessanterweise erwähnt er jedoch die in der Studie gemachten Subanalysen.

Diese zeigten, dass Myokard Infarkte unter Omega-3-Fettsäure um 28 % abnahmen. Bei rund 5000 Afroamerikanern zeigte sich sogar eine Reduktion von 77 %. Und unter Vitamin D gab es ein „Signal für einen Rückgang“ der Krebsmortalität.

Selbstverständlich sind Subanalysen nur Subanalysen und haben erst einmal mit dem primären Studienziel nichts zu tun. Von daher darf man diese Ergebnisse getrost ignorieren, so die Meinung des Schulmediziners.

Und so etwas macht man immer dann, wenn es einem gerade passt. Denn Subanalysen sind in der Schulmedizin keineswegs ein rotes Tuch, wenn es darum geht, Leitlinien und Behandlungsschemata zu propagieren. Aspirin zum Beispiel hat den Ruf, vor einer koronaren Herzerkrankung zu schützen, so die „Lehrmeinung“.

Diese Meinung ist auch richtig, aber nur für eine Untergruppe von Patienten, nämlich die, die bereits an Arteriosklerose leiden. Hier hatte sich die Schulmedizin beeilt, die Ergebnisse für diese Untergruppe als Gesamtergebnis für alle Patienten und die, die es noch werden sollen, umzufunktionieren. Belege, dass auch Gesunde von Aspirin profitieren, gibt es keine.

Aber die Ableitung von der Subgruppenanalyse macht es möglich!

Studien zu Betablockern haben ebenfalls gezeigt, dass sie unter gewissen Voraussetzungen vor einer koronaren Herzerkrankung schützen. Demzufolge müssten jetzt Gesunde und Kranke gleichermaßen auf Betablocker eingestellt werden, ein Eldorado für deren Hersteller. Und Zytostatika heilen Krebs. Können wir die jetzt auch prophylaktisch einnehmen?

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Wenn die Schulmedizin Wissenschaft betreibt

Wissenschaftler behandeln keine Patienten. Aber Ärzte halten sich für qualifiziert, Wissenschaft zu betreiben. Was dabei rauskommt, das habe ich in meinem Wissenschaftsreport beschrieben: Unsere Schulmedizin – die einzig wahre Wissenschaft?

Zu den wirkungslosen Omega-3-Fettsäuren

So ist auch die VITAL-Studie keinesfalls so schlüssig wie sie gefeiert wird. Beeindruckend ist zwar die Zahl der Teilnehmer und die Länge der Beobachtungszeit von 5,3 Jahren. Aber, wenn man etwas mehr liest als nur den Abstract (Zusammenfassung der Studie) dann stößt man auf eine mehr als bemerkenswerte Äußerung der Autoren, die so ziemlich am Ende der Veröffentlichung auftaucht. Sie taucht auf unter der Diskussion von Einschränkungen/Schwächen der Studie.

Hier sagen die Autoren folgendes: „The single dose level of n?3 fatty acids that was used in this trial did not permit exploration of dose–response relationships.“ (Übersetzt: die Einmalgabe von Omega-3-Fettsäuren, die in dieser Studie zur Anwendung kam, erlaubte keine Untersuchung des Dosis-Wirkungsverhältnis).

Und damit gestehen die Autoren selbst, dass diese Ergebnisse mit äußerster Vorsicht zu genießen sind. Denn ohne dieses Dosis-Wirkungsverhältnis habe ich nicht einmal die „halbe Miete“ zur Beurteilung der Wirksamkeit einer Substanz in den Händen. Naturwissenschaftliche Studien legen in der Regel Versuchsreihen an, wo unterschiedliche Konzentrationen einer Substanz untersucht werden, welche Effekte sie erzeugen und vor allem, bei welcher Konzentration die deutlichsten Wirkungen zu beobachten sind.

Die Autoren diskutieren weiter, warum sie ausgerechnet diese Dosierung für die Omega-3-Fettsäuren gewählt haben. Und hier, so muss ich gestehen, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Basis für diese Entscheidung war die Empfehlung der „American Heart Association“.

Diese Dosierung wird als kardioprotektive Dosierung für Patienten mit koronarer Herzerkrankung angesehen, und gilt als doppelt so hohe Dosierung für eine Prophylaxe von noch gesunden Menschen. Damit liegt der Verdacht nahe, dass die hier eingesetzte Dosierung nicht wirklich ausreichend hoch genug ist, um ernsthafte Erkrankungen zu beeinflussen.

Die Autoren deuten dies auch an, indem sie auf andere, noch laufende Studien mit höheren Dosierungen verweisen, die mit Hochrisikogruppen durchgeführt werden, und von denen sie sich entsprechend interessante Aussagen erhoffen.

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Zum angeblich wirkungslosen Vitamin D

Die Freude über dieses enttäuschende Ergebnis ist meines Erachtens vollkommen unberechtigt. Denn schaut man sich einmal die Studie genau an, dann wird man feststellen, dass die durchschnittliche Vitamin-D-Konzentration bei 30,8 Nanogramm/Milliliter lag, also deutlich über dem, was die Schulmedizin normalerweise als noch „normal“ betrachtet, nämlich 20 Nanogramm/Milliliter.

Nur 12,7 % der Teilnehmer lag unter dem Wert von 20. Und 32,2 % der Teilnehmer lag zwischen 20 und 30. Das heißt, dass über 50 % der Teilnehmer einen Wert von deutlich über 30 Nanogramm/Milliliter aufwiesen, in der Verumgruppe, aber auch und vor allem in der Placebogruppe.

Die durchschnittliche Konzentrationssteigerung von Vitamin D in der Verumgruppe von besagten rund 30 Nanogramm/Milliliter betrug ca. 10 Nanogramm/Milliliter (auf 40 Nanogramm/Milliliter).

Wenn wir also davon ausgehen, dass 30 Nanogramm/Milliliter Vitamin D der unterste erstrebenswerte Wert darstellt, bei dem bereits eine Reihe von physiologisch nützlichen Funktionen zu erwarten sind, dann haben wir es hier mit einer Placebogruppe zu tun, die bereits entsprechende Vorteile genießt und daher überhaupt keinen Placebo-Charakter mehr hat.

Es ist zwar nur hypothetisch, aber es spricht einiges dafür, dass die Steigerung um 10 Nanogramm/Milliliter in den höheren Konzentrationsbereichen weniger Nutzen mit sich bringt, als wenn ich einen Plasmawert von 20 auf 30 oder sogar von nur 10 auf 20 anhebe.

Man sieht dies häufig in biochemischen und biologischen Verläufen von Dosis-Wirkungsrelationen, wo die Kurve nicht geradlinig steigend mit steigenden Konzentrationen verläuft, sondern im unteren Konzentrationsbereich steil nach oben geht und dann im oberen Bereich abflacht, bis dass keine weitere Steigerung der Wirkung zu beobachten ist, trotz ausreichender Erhöhung der Dosierung. Diese mögliche Dosis-Wirkungsrelation fällt hier in dieser Studie vollkommen unter den Tisch.

Und damit ist es für mich nicht weiter verwunderlich, warum man unter dem Vitamin D nicht die „heroischen“ Wirkungen hat beobachten können, die die Schulmedizin als „überzeugend“ einfordert.

Noch eine neue Studie von der niemand etwas wissen will

Zeitgleich mit der VITAL-Studie ist eine weitere Studie erschienen, die aber nicht so sehr mit offenen Armen empfangen wurde: die REDUCE-IT-Studie[6].

Hier waren es knapp 8200 Patienten und knapp fünf Jahre Beobachtungszeit bei einer Dosierung von 4000 mg Omega-3-Fettsäuren täglich (2 × 2 g), die Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes oder anderen Risikofaktoren verabreicht wurden. Primäres Untersuchungsziel war das Aufkommen von kardiovaskulärer Mortalität, nicht tödlichen Herzinfarkten, nicht tödlichen Schlaganfällen, Gefäßneubildung in den Koronararterien und/oder instabile Angina.

Wichtig und interessant ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass alle diese Patienten, gleichgültig ob sie das Verum oder ein Placebo erhielten, eine von der Schulmedizin als optimal angesehene Therapie ihrer Erkrankungen erhielten und dementsprechend medikamentös eingestellt waren.

Das Resultat: Beschämend! Für wen? Für die schulmedizinisch optimale, leitliniengerechte Behandlung. Denn trotz dieser konnte die Gabe von Omega-3-Fettsäuren das Auftreten von Ereignissen, definiert unter primären und sekundären Studienzielen, um 25 %, und damit signifikant verringern.

Fazit

Zwei angebliche „Studien“. Die eine mit den „richtigen“ Ergebnissen, die man selber schon längst gewusst hatte, wird als Bestätigung des eigenen professoralen Wissens bejubelt. So etwas nennt man unter korrekt wissenschaftlichen Bedingungen in der Regel als „voreingenommen“.

Und diese Voreingenommenheit lässt es dann auch nicht zu, Jubel über die zweite neu erschienene Studie aufkommen zu lassen, weil deren Ergebnisse nicht in die schon längst gewusste Vorstellungswelt dieser „Experten“ passen. Deshalb verschweigt man lieber diese Studie, um nicht selbst in Verwirrung zu geraten.

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Quellen:

Dieser Beitrag wurde am 15.01.2023 erstellt.

René Gräber

René Gräber

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2 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Avatar

    Lieber Rene Gräber, wir lesen zur Zeit leider öfters, dass die Einnahme von Omega 3 Fischkapseln Vorhofflimmern verursachen soll. z.B. hier;
    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vorhofflimmern-durch-fischoel-kapseln-129248/
    wir nehmen schon seit Jahren Omega 3 und ich habe auch das Gefühl, dass die Triglyceride meines Mannes durch Omega 3 heruntergegangen sind. Er traut sich jedenfalls Omega 3 nicht mehr einzunehmen, weil er manchmal beim Liegen starkes Herzklopfen hat und jetzt befürchtet, dass dies durch die Einnahme von Omega 3 verursacht sein könnte. Wie stehen Sie zu dieser Studie bzw kennen sie diese?
    Omega 3 soll so wichtig sein für Herz-Kreislauf, und wenn man dann wieder solche Sachen liest…
    Danke!

    Antwort René Gräber:
    Von Meta Studien halte ich nicht besonders viel – obwohl manche auch “gut” gemacht sind.
    Das Problem ist das Studiendesign.
    Wir das gemessen, was gemessen werden soll?
    Welche Dosis? Welches Präparat?
    Das ist ziemlich knifflig. Deswegen teste ich das für Patienten ja auch aus.
    Die meisten Patienten haben ein Missverhältnis zwischen Omega 3 und Omega 6.
    Und da machen Omega 3 Präparate Sinn.
    Aber Omega 3 ist jetzt nichts, was ich ganzjährig empfehle — das war es noch nie; sondern zielgerichtet.
    Und das Präparat ist wichtig aus dem das Omega 3 gewonnen wird.

  2. Avatar
    Tina Sonneveld

    27. Januar 2023 um 18:01

    Lieber Herr Gräber,
    ich habe ihren Artikel zum Thema Vitamin D gelesen. Ich bin ihrer Meinung, dass Vitamin D ein extrem wichtiges Vitamin / Hormon ist. Leider habe ich ein Problem das ich mir nicht erklären kann. Führe ich V.D zu, egal in welcher Form (Tropfen , Tabletten , Kabseln) passiert immer das gleiche, ich kann es nicht vertragen. Ich bekomme immer Leberprobleme, eine heiße Zunge ich werde unruhig und bekomme heiße Wangen nach jedem Essen .??? Ichbhabe einen Mangel und würde ihn so gerne beheben doch was ich auch mache es funktioniert nicht?
    Ich versuche es über Lachs und Ei auch im Sommer bin ich bis zu sieben Stunden im Garten doch der Spiegel steigt nicht . Ich habe keine Genetische Veranlagung für einen V.D Mangel, also das ist es nicht. Haben sie einen Rat für mich?
    Ich wäre dankbar für alles war hilft . Bis jetzt habe ich langsam versucht mich ranzutasten mit einem Tropfen jeden zweiten Tag ohne Erfolg. Mein Spiegel liegt zur Zeit mnol/l bei 53,8 und ng/nl bei 26,2

    Antwort René Gräber:
    Ich vermute, dass bei Ihnen eine Vitamin-D-Rezeptorblockade vorliegt.
    Diese kann man angehen… Im meinem Buch zum Vitamin D beschreibe ich das Problem und die Lösung:
    https://www.renegraeber.de/vitamin-d-therapie.html

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