Gute Gründe, warum Kokosnussöl die bessere Zahnpasta ist

Die Werbung hämmert es uns tagtäglich ein: Zahnpasta mit Fluor schützen die Zähne. Und weil die Botschaft so langweilig ist wie sie falsch zu sein scheint, kommen die Marketingfachmenschen auf immer tollere Ideen.

Leider keine besonders lustigen, denn da mutieren in der Werbung die Produkte zu wahren Wundermitteln. Sie machen aus dunklen Zähnen strahlend weiße Beißerchen, bekämpfen Mundgeruch und Probleme mit dem Zahnfleisch ohne weiteres Zutun etc.

Es ist fraglich, ob alle diese Heilversprechungen evidenzbasiert sind. Jedenfalls fehlt im Werbespot niemals ein würdig aussehender Mann oder noch würdiger aussehende Frau im weißen Kittel, die bestenfalls unwürdige Erklärungen abgeben, dass einem die Zähne sofort drohen auszufallen.

Bei so viel Effektivität und Wirksamkeit sollte es inzwischen keine Karies mehr geben, was aber evidenzbasiert nicht der Fall ist. Bei einem solchen Szenario reift der Gedanke, dass es ganz gut zu sein scheint, wenn man mit der Werbungszahnpasta die Karies nicht in den Griff bekommt. Denn dann kommt der Kunde wieder und kauft und kauft und kauft.

Er und sie kaufen, bis sie auch auf den Gedanken kommen, endlich einmal etwas zu benutzen, was „wirklich hilft“, bevor der letzte Zahn das Weite hat suchen können.

Fluorfreie Alternativen

Die alten Zähne wurden schlecht,

Und man begann sie auszureißen,

Die Neuen kamen gerade recht,

Um mit ihnen ins Gras zu beißen.

Heinz Erhardt

Um das hier von Heinz Erhardt geschilderte Szenario zu verhindern, scheinen die bekannten Zahnpasten eher nicht geeignet zu sein. Eine vielversprechende Variante ist Kokosnussöl.

Ich hatte eine Studie, die dies untersucht hatte, in einigen früheren Beiträgen kurz angesprochen (Gegen Karies hilft Öl besser als Zahnpasta und Zahnprobleme: Karies, Parodontose, Zahnfehlstellungen).

Diese Studie konnte zeigen, dass Kokosnussöl bakterizid gegen die Erreger wirkt, die für die Karies verantwortlich sind. Das Öl wurde unbehandelt in seiner natürlichen Form getestet und in einer Form, in der es mit Enzymen vorbehandelt worden war. „Versuchskaninchen“ waren Streptococcus mutans Bakterien, die reichlich im Mund und Rachenraum zu finden sind und zur Zahnfäule maßgeblich beitragen.

Der Versuch zeigte, dass das mit Enzymen behandelte Öl signifikant das Wachstum von Streptococcus mutans und anderer Streptococcus Stämme unterband. Die Autoren vermuten hier als Wirkmechanismus, dass die Enzyme das Kokosnussöl zu organischen Säuren „umwandeln“, die wiederum toxische Eigenschaften den Bakterien gegenüber haben (Coconut oil inhibits caries). Aber auch darüber hinaus gibt es andere gute Gründe, von der „beliebten“ Fluor-Zahnpasta auf die Alternative mit Kokosnussöl umzusteigen.

  1. Kokosnussöl enthält keine schädlichen Chemikalien
    Neben Fluor enthalten die konventionellen Zahnpasten eine anti-bakteriell wirksame Substanz, Triclosan (siehe auch Zu viel Hygiene schadet dem Immunsystem). Diese Substanz steht im Verdacht an der Bildung von Allergien beteiligt zu sein. Dazu kommen noch Berichte, die von Antibiotikaresistenzen gegen die Substanz sprechen und einem Einfluss auf das endokrine System des Organismus.
  2. Effektivität gegen Bakterien, die Karies fördern
    Neben der mikrobiologischen Fähigkeit, diese Bakterien zu eliminieren, hat das Öl eine weitere positive Eigenschaft zu bieten. Wenn man das Öl täglich für die Dauer von 10 Minuten ins Zahnfleisch einmassiert, bei einer Gesamtdauer von 3 Wochen, dann reduzieren sich nicht nur die Bakterienzahlen, sondern auch die Plaquebildung auf den Zähnen (Effect of oil gum massage therapy on common pathogenic oral microorganisms – A randomized controlled trial.).
  3. Keine Schäummittel
    Schäummittel lassen die Zahnpasta so nett aufschäumen. So kennen wir das schon seit Jahrzehnten. Ob dies einen Effekt auf die Reinigung der Zähne hat, das ist fraglich. Die Schäummittel dagegen haben keinen sonderlich guten Ruf, wenn es um gesundheitliche Fragen geht. Natriumlaurylsulfat und seine Derivate beeinträchtigen die Funktion der Geschmacksknospen auf der Zunge und brechen Phospholipide auf. Dieser Vorgang fördert die Empfindlichkeit für einen bitteren Geschmack, was erklären würde, warum fast alles bitter schmeckt, nachdem man sich die Zähne geputzt hat. Kokosnussöl dagegen zeigt diese „Nebenwirkung“ nicht, sondern bewahrt die natürliche Balance der Lipide auf der Zunge, ohne dabei an anti-bakterieller Wirkung einzubüßen. Es gibt auch Hinweise, dass Natriumlaurylsulfat verantwortlich ist für die Entstehung von Aphthen im Mund-Rachenraum (The effect of sodium lauryl sulfate on recurrent aphthous ulcers: a clinical study).
  4. Preiswerte Alternative
    Kokosnussöl ist nicht nur in Sachen Zahnpflege eine Alternative, sondern auch in finanzieller Hinsicht. Denn man braucht nur sehr geringe Mengen, um den schützenden und pflegenden Effekt zu erzielen. Ein Glas mit diesem Öl kann so Monate ausreichen.

 Ölziehen

Zu diesem Thema hatte ich ebenfalls einen Beitrag erstellt: Ölziehen: Über das Ölkauen oder Ölschlürfen… Es gibt eine kleine klinische Studie zum Ölziehen mit Sesamöl, wo die Gruppe der ölziehenden Teilnehmer eine vergleichbare Wirksamkeit auf Bakterienbefall und Plaquebildung im Vergleich zu einer Gruppe zeigte, die Chlorhexidin benutzte. Über den Einsatz von Kokosnussöl für das Ölziehen gibt es leider keine Arbeiten.

Im Jahr 2011 erschien eine Arbeit, die versuchte, den Mechanismus des Ölziehen zu beschreiben: Mechanism of oil-pulling therapy – in vitro study. In dieser Arbeit wurde der anti-bakterielle Effekt von Sesamöl überprüft, und ob sich unter dem Ölziehen mechanische Reinigungseffekte zeigen. Oder ob sich das Ganze dann doch nur als bestenfalls Plazeboeffekt entpuppt.

Das Ergebnis war, dass Sesamöl keine ausgeprägte anti-bakterielle Wirkung gegen Streptokokken hat. Dagegen sahen die Autoren einen Verseifungs- und Emulgierungsprozess des Öls, auf dem der mechanische Reinigungseffekt des Öls im Mund beruht. Die Autoren bemerken dazu, dass diese Arbeit belegt, dass „der Mythos, dass Ölziehen nichts als ein Plazeboeffekt ist“, zu den Akten gelegt werden kann.

Fazit

Auch wenn die Werbung mit weiß bekittelten „Autoritäten“ uns noch weißer machen will, dass mit Chemie starrende Zahncremes das Natürlichste und Schönste von der Welt sind – die Alternativen sind dagegen natürlich schön und schön natürlich.

Mit anderen Worten: Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass chemische Präparate einen günstigen Einfluss auf biologische Prozesse haben, ohne diese empfindlich zu stören. Das gilt auch für so etwas Banales wie Zähne und Mund.

Und wer sich im Bereich anti-biotische Therapie umschaut, der wird erstaunen, wie die heutige Schulmedizin es geschafft hat, mit ihren chemischen Keulen eine Resistenz nach der anderen zu provozieren. Natürliche Antibiotika dagegen kennen solche Resistenzentwicklungen nur in Ausnahmefällen. Und alles das gilt auch für die Zahnpflege.

Bild: 123rf.com – magone

René Gräber

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4 Kommentare Kommentar hinzufügen

  1. Avatar
    Ingrid Reichelt

    15. Oktober 2018 um 08:36

    Genau so ist es. Ich putze schon lange mit bio- Kokosöl und spare die teure sog. professionelle Zahnreinigung. Mein Zahnarzt staunt, keine Flecken von Tee, kein Karies, keine Zahnfleischentzündungen usw. Nur: man muss schon ordentlich und elektrisch putzen, und nur in Papier ausspucken, Mund ausspülen usw.. Das Öl wird im Mund sofort flüssig aber unter 25 Grad sofort wieder fest, sonst setzt es sich in den Abflussrohren an.

  2. Avatar

    Zuerst einmal vielen Dank. Ich lese die Artikel mit großem Interesse. Welches Kokosnuss Öl wird besonders empfohlen? Welches ist geschmacklich köstlich? Im Optimum Health Institut in San Diego wurde gesagt Kokosnüsse werden nicht gespritzt. Deshalb könne man alle Kokosnuss Produkte kaufen. Ist das wirklich so?

  3. Avatar
    Stephanie v Steuber

    4. November 2018 um 12:17

    Hallo Herr Gräber, Sie schreiben von „mit Enzymen behandeltem“ Kokosöl. Das scheint dann ja doch noch ein anderes als das „normale“ zu sein? Wo bekommt man dieses denn?

  4. Avatar

    Hallo Herr Gräber,
    können Sie mir bitte sagen, woher ich das „mit Enzymen behandelte“ Kokosnussöl bekommen kann?
    All ihre Beiträge sind sehr interessant. Danke dafür.

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