
Isoleucin gehört zu den Aminosäuren, die im Sportbereich seit Jahren mit großen Versprechen beworben werden. Mehr Energie. Schnellere Regeneration. Weniger Muskelabbau. Besserer Blutzucker. Natürlich alles möglichst einfach, am besten als Pulver im Shaker.
Ganz so schlicht ist es nicht.
L-Isoleucin ist zweifellos wichtig. Es gehört zu den essenziellen Aminosäuren. Der Körper kann es also nicht selbst herstellen, sondern muss es über die Nahrung aufnehmen. Zusammen mit Leucin und Valin bildet es die Gruppe der verzweigtkettigen Aminosäuren, besser bekannt als BCAAs.
Diese drei Aminosäuren spielen im Muskelstoffwechsel eine besondere Rolle. Sie werden nicht nur in der Leber verarbeitet, sondern zu einem erheblichen Teil direkt in der Muskulatur genutzt. Das erklärt, warum BCAAs im Sport so populär geworden sind. Nur wurde daraus in den letzten Jahren ein kleines Supplement-Märchen gestrickt: Wer BCAAs nimmt, baut angeblich besser Muskeln auf, regeneriert schneller und bringt nebenbei noch den Blutzucker in Ordnung.
So bequem arbeitet der Körper leider selten.
Was ist L-Isoleucin?
L-Isoleucin ist eine essenzielle, proteinogene Aminosäure. Proteinogen bedeutet: Sie wird in körpereigene Eiweiße eingebaut. Essenziell bedeutet: Der Körper ist auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen.
Isoleucin gehört zusammen mit Leucin und Valin zu den BCAAs. Diese Aminosäuren haben eine verzweigte chemische Struktur und werden deshalb als verzweigtkettige Aminosäuren bezeichnet.
Im Körper ist Isoleucin beteiligt an:
- Muskelproteinstoffwechsel
- Energiegewinnung in der Muskulatur
- Regeneration nach Belastung
- Glukoseaufnahme in Muskelzellen
- Stickstoffstoffwechsel
- Wundheilung und Gewebereparatur
- Aminosäurenbalance zusammen mit Leucin und Valin
Das klingt zunächst nach einem sehr guten Argument für eine Supplementierung. Allerdings muss man hier sauber unterscheiden: Isoleucin als Bestandteil einer eiweißreichen Ernährung ist unverzichtbar. Isoliertes Isoleucin oder ein BCAA Präparat ist für die meisten Menschen etwas völlig anderes.
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Isoleucin, Leucin und Valin: Warum die Balance wichtig ist
BCAAs treten im Körper nicht als Einzelgänger auf. Leucin, Isoleucin und Valin nutzen teilweise gemeinsame Transportwege und beeinflussen sich gegenseitig. Leucin gilt als stärkster Signalgeber für die Muskelproteinsynthese, vor allem über den mTOR Signalweg. Isoleucin wird häufiger mit Glukoseaufnahme und Energiestoffwechsel in Verbindung gebracht. Valin spielt ebenfalls eine Rolle im Muskelstoffwechsel, wird aber meist weniger prominent diskutiert.
Das Problem beginnt, wenn einzelne Aminosäuren hochdosiert gegeben werden, ohne die Gesamtbalance zu beachten. Der Körper arbeitet nicht wie ein Regal, in das man einfach noch ein Päckchen Isoleucin stellt. Aminosäuren konkurrieren, ergänzen sich und sind in Stoffwechselnetzwerke eingebunden.
Deshalb sind klassische BCAA Mischungen meist im Verhältnis 2:1:1 aufgebaut, also Leucin zu Isoleucin zu Valin. Noch höhere Leucinanteile werden gern als besonders „anabol“ verkauft. In der Praxis ist das nicht automatisch besser. Eine extreme Verschiebung einzelner Aminosäuren kann die Aufnahme und Verwertung anderer Aminosäuren beeinflussen.
BCAAs und Muskelaufbau: Was die Studien wirklich zeigen
Für Muskelaufbau braucht der Körper nicht nur drei Aminosäuren, sondern alle essenziellen Aminosäuren. Genau hier liegt der Denkfehler vieler BCAA Produkte.
Leucin kann den Startschuss für die Muskelproteinsynthese geben. Aber ein Startschuss baut noch kein Haus. Wenn die übrigen essenziellen Aminosäuren fehlen, kann der Körper kein vollständiges Muskelprotein aufbauen. Dann steht der Bauleiter auf der Baustelle, aber die Ziegel fehlen.
Eine Übersicht zur Muskelproteinsynthese kommt zu dem Schluss, dass isolierte BCAAs keinen stärkeren anabolen Effekt liefern als vollständiges, hochwertiges Protein mit allen essenziellen Aminosäuren. Praktisch heißt das: Whey, Eier, Fisch, Fleisch oder gut kombinierte pflanzliche Proteine sind für Muskelaufbau meist sinnvoller als isolierte BCAAs.
Studie:
Auch eine ältere, oft zitierte Arbeit von Robert Wolfe kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Behauptung, BCAAs allein würden beim Menschen eine starke anabole Reaktion auslösen, ist in dieser Form nicht überzeugend.
Studie:
Das bedeutet nicht, dass BCAAs wirkungslos sind. Es bedeutet nur: Wer Muskeln aufbauen möchte, sollte zuerst die Gesamtproteinzufuhr, die Trainingsreize, die Kalorienversorgung, den Schlaf und die Regeneration in Ordnung bringen. Erst dann lohnt sich die Frage, ob ein BCAA Präparat noch einen Zusatznutzen hat.
In vielen Fällen lautet die ehrliche Antwort: eher nein.
BCAAs bei Muskelkater und Regeneration
Etwas interessanter sieht es bei Muskelkater und Erholung nach intensiver Belastung aus.
Eine Meta-Analyse randomisierter Studien fand Hinweise, dass BCAA Supplementierung nach Krafttraining Muskelkater und den Muskelschadensmarker Kreatinkinase senken kann. Der Effekt zeigte sich vor allem bei trainierten Männern nach Widerstandstraining. Für Laktatdehydrogenase fand sich dagegen kein klarer Vorteil.
Studie:
Eine neuere Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass BCAAs Muskelkater und Kreatinkinase wahrscheinlich reduzieren können. Gleichzeitig bleiben viele Fragen offen, etwa zu Studiendesign, Trainingszustand, Geschlecht, Dosierung und Vergleichssubstanz.
Studie:
Das ist für die Praxis wichtig: BCAAs können bei sehr intensiven Trainingsphasen helfen, Muskelkater etwas abzufedern. Das ist etwas anderes als „BCAAs bauen Muskeln auf“.
Weniger Muskelkater ist angenehm. Aber Muskelaufbau entsteht durch Training, ausreichendes Protein, genügend Energie, Schlaf und eine gute Regeneration. Ein aromatisiertes BCAA Getränk ersetzt das nicht. Auch wenn die Fitnessindustrie es seit Jahren versucht.
Die neuere Studienlage zu BCAAs bei Sportlern
Eine systematische Übersicht zu oraler BCAA Supplementierung bei Athleten zeigt ein gemischtes Bild. Manche Studien finden kleine Effekte auf Regeneration, Muskelkater oder einzelne Leistungsparameter. Andere finden keine überzeugenden Vorteile.
Studie:
Eine aktuelle systematische Übersicht zu reinen BCAA Präparaten untersuchte 22 randomisierte Studien mit insgesamt 511 Teilnehmern. Die Dosierungen reichten von 1,5 g bis 82 g täglich. Die Ergebnisse waren uneinheitlich. Für Muskelkater gab es moderate Hinweise auf Nutzen. Für Kraft, Ausdauer, Körperzusammensetzung und echte Leistungssteigerung blieb die Evidenz inkonsistent.
Studie:
Das ist ungefähr das Gegenteil dessen, was viele Produktseiten versprechen. Dort klingt es oft, als sei BCAA das fehlende Puzzleteil zwischen durchschnittlichem Training und griechischer Statue. Die Studien sind deutlich nüchterner.
Isoleucin und Blutzucker
Isoleucin wird gelegentlich als Aminosäure für den Blutzucker beworben. Dafür gibt es biochemische Gründe. Isoleucin kann die Glukoseaufnahme in Muskelzellen beeinflussen und steht mit Energiestoffwechsel und Insulinsignalen in Verbindung.
Nur darf man auch hier nicht zu schnell werden.
Erhöhte BCAA Spiegel werden in vielen metabolischen Studien mit Übergewicht, Insulinresistenz und Typ 2 Diabetes in Verbindung gebracht. Das heißt aber nicht, dass Isoleucin als Nahrungsergänzung Diabetes verbessert. Ein Marker ist noch keine Therapie. Das wird in der Gesundheitswerbung gern übersehen, manchmal auch sehr bewusst.
Eine bekannte Arbeit von Newgard und Kollegen zeigte Zusammenhänge zwischen BCAAs, Stoffwechselprofilen und Insulinresistenz. Solche Daten sind spannend, aber sie liefern keine einfache Empfehlung nach dem Motto: mehr Isoleucin gegen Blutzuckerprobleme.
Studie:
Bei Übergewicht, Fettleber, Prädiabetes oder Insulinresistenz würde ich zuerst an andere Hebel denken:
- Krafttraining
- Muskelmasse aufbauen
- Bauchfett reduzieren
- Eiweißqualität verbessern
- Zucker und Weißmehl senken
- Omega 3 Status prüfen
- Magnesium verbessern
- Schlaf stabilisieren
- Entzündungsquellen suchen
- Leberstoffwechsel unterstützen
Das ist weniger bequem als ein BCAA Pulver. Dafür ist es näher an der Ursache.
Isoleucin für Energie und Ausdauer
BCAAs können während Belastung in der Muskulatur zur Energiegewinnung beitragen. Das gilt besonders bei längeren oder intensiven Belastungen. Daraus wird oft abgeleitet, BCAAs verbesserten automatisch die Ausdauerleistung.
Auch hier ist die Studienlage durchwachsen. Für manche Ausdauersituationen gibt es Hinweise auf geringere Ermüdung oder veränderten Substratstoffwechsel. Für klare Leistungssteigerungen sind die Ergebnisse aber nicht robust genug, um daraus eine allgemeine Empfehlung zu machen.
Wer bei längeren Belastungen einbricht, sollte nicht zuerst Isoleucin suchen, sondern die Grundlagen prüfen: Kohlenhydratverfügbarkeit, Elektrolyte, Flüssigkeit, Trainingszustand, Eisenstatus, Schilddrüse, Schlaf und allgemeine Regeneration.
BCAA während des Trainings kann praktisch sein, wenn jemand nüchtern trainiert, lange Einheiten absolviert oder ein leicht verträgliches Getränk möchte. Aber auch hier gilt: Es ist ein Hilfsmittel, kein Fundament.
Isoleucin Mangel: Wie realistisch ist das?
Ein isolierter Isoleucinmangel ist bei normaler Ernährung selten. Wenn überhaupt, geht es meist um eine insgesamt zu geringe Eiweißzufuhr oder um gestörte Aufnahme.
Mögliche Zusammenhänge können sein:
- sehr eiweißarme Ernährung
- strenge Diäten
- höheres Lebensalter mit zu wenig Protein
- chronische Darmerkrankungen
- Malabsorption
- Lebererkrankungen
- starke Belastungsphasen
- Essstörungen
- einseitige vegane Ernährung ohne gute Proteinplanung
Mögliche Zeichen einer schlechten Aminosäurenversorgung können Muskelschwäche, schlechte Regeneration, Müdigkeit, Wundheilungsstörungen, Infektanfälligkeit oder Konzentrationsprobleme sein. Solche Symptome sind aber unspezifisch. Daraus sollte man nicht sofort auf Isoleucinmangel schließen.
In der Praxis ist ein Aminosäurenprofil sinnvoller als Rätselraten. Noch sinnvoller ist oft ein ehrlicher Blick auf die tägliche Proteinzufuhr. Viele Menschen, gerade ab 50, essen schlicht zu wenig hochwertiges Eiweiß. Dann braucht es nicht zuerst Isoleucin. Dann braucht es eine bessere Ernährung.
Wie viel Isoleucin braucht der Mensch?
Der Bedarf wird je nach Referenz unterschiedlich angegeben. Häufig werden für Erwachsene etwa 15 bis 20 mg Isoleucin pro kg Körpergewicht und Tag genannt. Bei 70 kg wären das grob 1,0 bis 1,4 g täglich.
Übersicht zu tolerierbaren Aminosäurenmengen und Bedarfswerten:
WHO Bericht zu Protein und Aminosäurebedarf:
https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/b7c5ec43-bc59-4b38-b702-3f0e96a06fa1/content
Diese Mengen werden mit normaler eiweißreicher Ernährung meist problemlos erreicht. Wer täglich Eier, Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse oder gut kombinierte pflanzliche Proteine isst, nimmt Isoleucin in der Regel ausreichend auf.
Lebensmittel mit viel Isoleucin
Gute Quellen für Isoleucin sind vor allem eiweißreiche Lebensmittel:
- Eier
- Fisch
- Fleisch
- Geflügel
- Käse
- Quark
- Joghurt
- Soja und Tofu
- Linsen
- Bohnen
- Kichererbsen
- Erdnüsse
- Mandeln
- Haferflocken
- Sesam
- Spirulina
Bei veganer Ernährung ist nicht Isoleucin allein das Problem. Entscheidend sind Gesamtproteinmenge, Verdaulichkeit und Aminosäurenprofil. Wer vegan lebt und sportlich aktiv ist oder älter wird, sollte die Proteinplanung ernst nehmen. Hülsenfrüchte, Soja, Lupinenprotein, Erbsenprotein, Reisprotein und Nüsse können gut kombiniert werden.
BCAA, EAA oder Protein: Was ist sinnvoller?
Diese Frage ist für die Praxis wichtiger als die Frage nach Isoleucin allein.
BCAAs enthalten nur drei essenzielle Aminosäuren: Leucin, Isoleucin und Valin.
EAAs enthalten alle essenziellen Aminosäuren.
Vollständige Proteine enthalten neben den essenziellen Aminosäuren auch weitere Aminosäuren und oft zusätzliche Nährstoffe.
Für Muskelaufbau sind vollständige Proteine oder EAAs in der Regel sinnvoller als reine BCAAs. BCAAs können Signale setzen und bei Muskelkater helfen. Aber sie liefern nicht das vollständige Baumaterial.
Ich würde es so einordnen:
Für normale Menschen mit zu wenig Protein: zuerst Ernährung verbessern.
Für Sportler mit guter Ernährung: Whey oder EAA meist sinnvoller als BCAA.
Für nüchternes Training oder lange Einheiten: BCAA kann praktisch sein.
Für Muskelkater nach harten Einheiten: BCAA kann einen Versuch wert sein.
Für echten Muskelaufbau: vollständiges Protein, Training, Schlaf und Kalorienbilanz sind entscheidend.
BCAAs sind also nicht völlig nutzlos. Sie sind nur häufig nicht das, wofür sie verkauft werden.
Dosierung von Isoleucin und BCAAs
Als isoliertes Einzelpräparat wird Isoleucin selten sinnvoll eingesetzt. Wenn überhaupt, dann meist im Rahmen einer BCAA Mischung mit Leucin und Valin.
Gängige BCAA Produktdosierungen liegen häufig bei 5 bis 10 g BCAAs pro Tag. Das ist aber keine automatische Empfehlung, sondern eine typische Herstellerdosierung.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat für gesunde Erwachsene Orientierungswerte für die tolerierbare zusätzliche tägliche Aufnahme isolierter BCAAs abgeleitet:
Leucin: 4,0 g täglich
Isoleucin: 2,2 g täglich
Valin: 2,0 g täglich
BCAAs insgesamt: 8,2 g täglich
BfR Bewertung:
Das ist bemerkenswert, weil manche Produkte und manche Fitnessroutinen darüber liegen können, vor allem wenn zusätzlich Proteinpulver, Booster, Aminodrinks und Riegel kombiniert werden.
Für einen normalen Anwender würde ich konservativ denken: Wenn BCAAs überhaupt eingesetzt werden, dann zeitlich begrenzt, gezielt um intensive Trainingsphasen herum und nicht als Dauernuckelflasche für den Alltag.
Wann kann eine BCAA Einnahme sinnvoll sein?
BCAAs können sinnvoll sein, wenn:
- sehr intensive Trainingsphasen laufen
- Muskelkater und Regeneration im Vordergrund stehen
- nüchtern trainiert wird
- eine Mahlzeit vor oder nach dem Training schlecht möglich ist
- die Proteinzufuhr kurzfristig nicht optimal ist
- ein leichter Aminosäurendrink besser vertragen wird als Proteinpulver
Aber auch dann sollte man ehrlich bleiben. Wer genügend Protein isst, regelmäßig trainiert und gut regeneriert, wird von BCAAs oft wenig merken.
Bei älteren Menschen mit Muskelschwäche oder drohender Sarkopenie würde ich nicht zuerst zu BCAAs greifen. Dort sind ausreichendes Gesamtprotein, Krafttraining, Vitamin D, Kreatin, Omega 3, Magnesium, B12, Entzündungsreduktion und Schlaf meist wesentlich wichtiger.
Risiken und Nebenwirkungen
In üblichen Mengen gelten BCAAs für gesunde Erwachsene meist als gut verträglich. Mögliche Beschwerden sind:
- Übelkeit
- Blähungen
- Bauchdruck
- Durchfall
- Kopfschmerzen
- Unruhe
- unangenehmer Geschmack oder Süßstoffprobleme
Vorsicht gilt bei:
- Nierenerkrankungen
- Lebererkrankungen
- Schwangerschaft
- Stillzeit
- Kindern und Jugendlichen
- Ahornsirupkrankheit
- Störungen des Aminosäurenstoffwechsels
- schweren neurologischen Erkrankungen
- sehr hoher Proteinzufuhr plus zusätzlichen Aminopräparaten
Das BfR weist ausdrücklich darauf hin, dass hohe Aufnahmen isolierter BCAAs gesundheitlich problematisch sein können und für bestimmte Gruppen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen.
BfR Bewertung:
Die Ahornsirupkrankheit muss besonders erwähnt werden. Dabei handelt es sich um eine seltene genetische Störung im Abbau verzweigtkettiger Aminosäuren. Betroffene müssen BCAAs streng kontrollieren. Für diese Menschen wären normale BCAA Präparate gefährlich.
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Präparatequalität
Wenn BCAAs eingesetzt werden, sollte das Produkt möglichst sauber deklariert sein. Wichtig sind:
- klare Angabe der Mengen von Leucin, Isoleucin und Valin
- vernünftiges Verhältnis, meist 2:1:1
- keine übertriebenen Megadosierungen
- möglichst wenige Süßstoffe, Farbstoffe und Aromen
- Laborprüfung auf Schadstoffe
- keine wilden Booster Kombinationen
- keine Vermischung mit Stimulanzien
Gerade im Sportbereich werden Aminosäuren gern mit Koffein, Süßstoffen, Farbstoffen und Marketingbegriffen kombiniert. Am Ende kauft man dann weniger eine Aminosäure als ein aromatisiertes Glaubensbekenntnis.
Naturheilkundliche Einordnung
Aus naturheilkundlicher Sicht ist Isoleucin ein wichtiger Baustein im Eiweißstoffwechsel. Aber Bausteine wirken nur im passenden Bauplan.
Bei Muskelschwäche, schlechter Regeneration oder Erschöpfung würde ich nicht isoliert auf Isoleucin starren. Ich würde breiter prüfen:
- Gesamtprotein pro Tag
- Eiweißverteilung über den Tag
- Verdauungskraft
- Magensaft und Bauchspeicheldrüse
- Darmgesundheit
- Vitamin D
- Vitamin B12
- Magnesium
- Eisenstatus und Ferritin
- Schilddrüse
- Entzündungsmarker
- Omega 3 Versorgung
- Schlafqualität
- Trainingsreiz
- Regenerationsfähigkeit
Gerade bei Menschen über 50 ist das Thema Eiweiß entscheidend. Viele essen zu wenig Protein und wundern sich dann über Muskelabbau, Schwäche, schlechte Wundheilung und mehr Appetit auf Süßes. Dann hilft kein isoliertes Isoleucin als kosmetischer Eingriff in einen Mangel, der viel grundlegender ist.
Für Sportler bleibt zusätzlich Kreatin eine der am besten belegten Substanzen. Wer Kraft, Leistung und Muskelmasse unterstützen möchte, sollte Kreatin, Proteinqualität und Training oft höher priorisieren als BCAAs.
Häufige Fragen zu Isoleucin
Ist Isoleucin gut für den Muskelaufbau?
Isoleucin ist für den Muskelaufbau notwendig, aber allein nicht ausreichend. Für Muskelproteinsynthese braucht der Körper alle essenziellen Aminosäuren. Isolierte BCAAs sind deshalb meist weniger sinnvoll als vollständiges Protein oder EAAs.
Sind BCAAs sinnvoll?
BCAAs können bei intensiver Belastung Muskelkater und bestimmte Muskelschadensmarker senken. Für echten Muskelaufbau, Kraftzuwachs und Körperzusammensetzung ist die Evidenz deutlich schwächer. Wer genügend Protein isst, braucht oft keine zusätzlichen BCAAs.
Ist Isoleucin gut für den Blutzucker?
Isoleucin steht mit Glukoseaufnahme und Insulinsignalen in Verbindung. Das bedeutet aber nicht, dass Isoleucin als Supplement Diabetes oder Insulinresistenz behandelt. Bei Blutzuckerproblemen sind Muskeltraining, Ernährung, Gewichtsreduktion, Schlaf und Entzündungsreduktion wichtiger.
Wie viel Isoleucin braucht man täglich?
Der Bedarf liegt je nach Referenz etwa bei 15 bis 20 mg pro kg Körpergewicht täglich. Bei 70 kg sind das ungefähr 1,0 bis 1,4 g. Mit eiweißreicher Ernährung wird diese Menge meist erreicht.
Sollte man Isoleucin einzeln einnehmen?
In der Regel nicht. Isoleucin wirkt im Verbund mit Leucin und Valin sowie mit allen anderen essenziellen Aminosäuren. Einzelpräparate sind nur in speziellen Fällen sinnvoll, etwa bei gezielter therapeutischer Begleitung oder auffälligem Aminosäurenprofil.
Was ist besser: BCAA oder EAA?
Für Muskelaufbau sind EAAs meist sinnvoller, weil sie alle essenziellen Aminosäuren liefern. BCAAs enthalten nur Leucin, Isoleucin und Valin. Sie können bei Muskelkater helfen, ersetzen aber kein vollständiges Aminosäurenprofil.
Welche Lebensmittel enthalten viel Isoleucin?
Gute Quellen sind Eier, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Soja, Tofu, Linsen, Bohnen, Erdnüsse, Mandeln, Haferflocken und Sesam. Entscheidend ist die gesamte Proteinzufuhr, nicht ein einzelner Isoleucinwert.
Können BCAAs schaden?
In hohen isolierten Mengen ja, zumindest ist Vorsicht angebracht. Das BfR hat Orientierungswerte für die tolerierbare zusätzliche Aufnahme isolierter BCAAs abgeleitet. Menschen mit Nieren oder Lebererkrankungen, Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Menschen mit Aminosäurenstoffwechselstörungen sollten solche Präparate meiden oder nur fachlich begleitet einsetzen.
Fazit
Isoleucin ist essenziell. Ohne diese Aminosäure funktionieren Muskelstoffwechsel, Eiweißaufbau, Energiegewinnung und Regeneration nicht ordentlich. Daraus folgt aber keine automatische Empfehlung für isoliertes Isoleucin oder hochdosierte BCAA Präparate.
Die Studienlage ist nüchterner als die Werbung. Für Muskelkater und Regeneration nach harter Belastung können BCAAs hilfreich sein. Für Muskelaufbau, Kraftsteigerung, Körperzusammensetzung und Blutzuckerregulation sind die Belege deutlich weniger überzeugend.
In der Praxis ist der erste Hebel fast immer eine ausreichende, hochwertige Proteinzufuhr. Danach kommen Training, Schlaf, Regeneration, Kreatin, Omega 3, Magnesium, Vitamin D und die gesamte Stoffwechsellage. BCAAs können in bestimmten Situationen ein Werkzeug sein. Aber sie sind kein Fundament.
Wer Isoleucin sinnvoll nutzen will, sollte es nicht als Wundermittel betrachten, sondern als Teil des Aminosäurenstoffwechsels. Genau dort gehört es hin.
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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…
